Xero Shoes Mesa Trail im Schwarzwald Test

Barfußschuhe sind wie vegane Burger. Sie sind nicht Fisch, sie sind nicht Fleisch. Sie sehen aus wie Burger und sollen geschmacklich dem Fleisch-Burger so identisch als nur möglich kommen. Genauso verhält es sich mit den Barfußschuhen. Sie sollen das Barfußlaufen imitieren, aber barfuß ist eben barfuß und Schuh ist Schuh.

Was minimalistisches Schuhwerk für mich bedeutet

Anstatt von Barfußschuhen spreche ich lieber von minimalistischen Schuhwerk, auch wenn sich das Wort Barfußschuhe inzwischen etabliert hat. Über meine Füße, beziehungsweise das, was ich an den Füßen trug, habe ich mir nie groß Gedanken gemacht. Bis zu dem Tag, als ich durch einen Unfall von den Füßen gehebelt wurde. Dreieinhalb Wochen später verliße ich das Krankenhaus auf Krücken. Und es sollte weitere sechs Monate dauern, bis ich wieder einigermaßen normal gehen konnte. Seit diesem Ereignis haben meine Füße und das Schuhwerk, in denen sie stecken, Priorität. Denn sie sind es, die mich durch das Leben tragen, meine Füße berühren morgens als erstes den Boden und sie verbinden mich mit dieser Welt. Wer einmal erfahren hat, wie ein Leben ohne Füße aussieht, der weiß, wie wichtig sie sind.

Abendstimmung im SchwarzwaldAbendstimmung im Schwarzwald

Seitdem ich das Buch „Born to Run“ von Christopher McDougall gelesen habe, hat mich die Frage nach minimalistischem Schuhwerk umgetrieben. Dann wagte ich mich an die Luna Sandalen. Obwohl ich Flip Flops nie mochte und ich das Zehenband ganz grausling fand, begeisterten mich die Luna Sandalen. Nach und nach probierte ich so ziemlich alles aus, was es aktuell auf dem Markt so gab. Vibram Five Fingers, New Balance Minimus Trail, Leguano und viele andere.

Treu geblieben bin ich den Luna Sandalen, die ich zum Reisen, Laufen, Wandern immer dabei habe. Die Luna Oso habe ich für GoFreeConcepts getestet, den Bericht könnt ihr hier lesen.

Eine geländetaugliche Alternative zur Sandale

Was mir fehlte war eine Alternative zur Sandale. Ein Schuh, leicht, bequem und mit guter Sohle zum Wandern und Laufen. Viele der am Markt erhältlichen Minimalschuhe sind zwar sehr bequem, doch die Sohle ist mehr für Alltag und City denn für Trips und Trails ausgelegt.

Als mir Christian von goFree Concepts von einem neuen Schuh erzählte, der sich gleichwohl für Laufen und Wandern eignen würde und fragte, ob ich ihn testen möchte, sagte ich gerne zu. Es handelt sich um den Schuh Mesa Trail von Xero Shoes, den es jeweils als Damenmodell und als Herrenmodell gibt.

Xero Shoes war für mich keine Unbekannte. Ich erinnerte mich an die Firma als sie noch unter Invisible Shoes firmierte und Huarache-Sandalen herstellte.

Wenige Tage später kam ein kleiner, leichter Karton per Post.

“Xero Shoes - Feel the Freedom, Feel the Fun. Feel the World!” stand darauf. Ich öffnete den Deckel. “Okeeeeeeeee”, dachte ich. Über Optik kann man bekanntlich streiten aber unglaublich leicht und biegsam war der Schuh. Ich war gespannt.

Reinschlüpfen und vergessen, dass man Schuhe trägt

Reinschlüpfen und wohlfühlen

Zwei Wochen bin ich mit dem Xero Shoes Mesa Trail spazieren gegangen, habe Trailläufe absolviert und ihn auf Wanderungen mit und ohne Rucksack getragen. Und das Ok ist zu einem Juchee geworden! Der Mesa Trail ist so bequem und leicht, dass ich den Schuh nicht mehr spüre, so angenehm sitzt er am Fuß. Es ist so, als hätte ich eine Sohle unter meinen nackten Füßen, mehr nicht.

Die Sohle ist 5 mm dick und wird vom Hersteller als FeelTrue Sohle bezeichnet. Zusätzlich ist eine 3 mm dicke Schicht aus Trail Foam angebracht, was sich in einer angenehmen, dynamischen Gangart bemerkbar macht.

Die Sohle ist dünn genug, dass ich den Boden und all das, was sich darauf befindet - Steine, Wurzeln, Fichtenzapfen, Äste - spüre. Auch weicher, grasiger oder fester Untergrund wird durch die Sohle wahrgenommen, was ein sehr angenehmes Gefühl beim Gehen vermittelt. Die Zehen haben ausreichend Platz, können sich spreizen und krallen. Der Grip der Sohle ist fantastisch. Ob auf Schotter, Waldwegen, auch auf nassem Untergrund, der Schuh klebt förmlich am Boden.

Mesa Trail mit funktionaler GeländesohleSehr guter Grip - selbst auf nassen Waldböden

Beim ersten Tragen machte ich den Fehler, dass ich den Schuh zu locker band und die Schnürsenkel auch nicht in das letzte Loch eingefädelte. Der Schuh saß zu locker und ich hatte beim Bergauf- und Ablaufen plötzlich viel zu viel Spiel. Zunächst dachte ich, dass der Schuh doch eine halbe Nummer zu groß ist, doch nachdem ich ihn auch im obersten Loch und etwas fester geschnürt hatte, war der Sitz perfekt.

Der Mesa Trail hat eine Innensohle, die man herausnehmen kann, um noch mehr „barfußgefühl“ zu erleben. Ich trug den Schuh mit Innensohle und Socken, denke aber, dass ich ihn in der heißen Sommerzeit ohne Socken und nur mit Innensohle tragen werde.

Auf Wanderungen und auf Trails

Auf einer Wanderung mit ca. 10 Kilogramm Gepäck im Rucksack hat sich der Mesa Trail ebenfalls bewährt. Vor allem als es Dunkel wurde und wir im Licht des Vollmonds vom Berg abstiegen, stellte ich fest, dass ich mich sicherer fortbewege als in festen Wanderschuhen. Der Grund liegt darin, dass ich den Untergrund spüre und die Füße in der Nacht sozusagen als drittes Auge dienen. Allerdings ersetzt der Mesa Trail keine Wanderschuhe. Auf eine Trekking-Tour mit viel Gepäck im Rucksack würde ich ihn als Camping-Schuh nach einer langen Tagesetappe einsetzen.

Mesa Trail: Mit leichtem Rucksack auch für Wandertouren geeignet

Der Mesa Trail spielt seine Stärken, wie schon der Name sagt, auf Trails aus. Beim Laufen, Trailrunning und Tageswanderungen mit leichtem Rucksack ist er das ideale Schuhwerk. Natürlich lässt er sich auch sehr gut im Alltag tragen. Wie schnell sich das Profil der Sohle abläuft, wird sich zeigen. Die Xero Schuhe kommen alle mit einer 5.000 Meilen Garantie.

Leider konnte ich ihn noch nicht bei sehr heißem Wetter ausprobieren und kann daher nichts zur Atmungsaktivität sagen. Es gibt auch keine genauen Angaben, aus was das Obermaterial besteht, außer, dass es Mesh ist und der Schuh vegan-freundlich produziert ist. Klar ist, dass der Fuß - anders als in Sandalen - im Schuh schwitzen wird, da es sich um Synthetikstoffe handelt. Wer mehr Luft an den Füßen möchte, kann sich die Z-Trek Sandalen von Xero Shoes ansehen.

Mein Fazit

Abschließend mein Fazit: ein toller, minimalistischer Schuh der im Gelände sehr gut funktioniert - auch wenn sich optisch und in Sachen Farben bestimmt noch einiges verbessern lässt. Wer gerne etwas mehr Schutz um die Füße hat und häufig im Gelände unterwegs ist, sollte sich den Mesa Trail ansehen. Für weitere Beratung und Kundensupport steht Christian von GoFreeConcepts zur Verfügung. Außerdem gibt es auf der Webseite von Xero Shoes eine Fülle von Videos, auf denen der Firmengründer und CEO Steven Sashen die Schuhe erklärt.

Der Mesa Trail wurde mir als Testmuster von Xero Shoes zur Verfügung gestellt. Für die Erstellung des Testberichts habe ich kein Honorar erhalten.

Birgit-Cathrin Duval ist freie Journalistin, Fotografin und Autorin. Sie lebt und arbeitet im südlichen Schwarzwald. Über ihre Reisen und Erfahrungen (u.a. mit Luna-Sandalen) schreibt sie auf www.takkiwrites.com

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