Jürgen rennt | Teil 1 | Frühling/Sommer 2020

Jürgen rennt. Das heißt eigentlich läuft er. Gerne lang und entspannt und meistens in Sandalen. Er ist Freiläufer. Sein Motto: Free your feet. Your mind will follow. In seinem Tagebuch nimmt uns Jürgen mit auf seine Läufe, testet seine Ausrüstung auf Herz und Nieren und packt uns immer wider mit seinem Entdeckergeist: Fange nie an aufzuhören. Höre nie auf anzufangen. Bleibe neugierig.

Jürgen

 

+++ 20. Juli 2020 +++

Jo dös: Emanuel (@barefootacademy) und Christian (@gofreeconcepts) produzieren sich einträchtig nebeneinander in einem Video über Laufsandalen. Zu finden auf dem YouTube-Channel der #barefootacademy oder auch in den entsprechenden sozialen Netzwerken, die unsere Neigungsgruppe der Minimal-/Natural-/"ohne alles unter den Füßen-" Läufer so nutzt. Sollte jemand ganz neu in dem Metier sein: Die Barefoot Academy ist nicht nur was für Naturalisten ... neee.. auch Sandalen gehen noch unter den skeptischen Blicken von Emanuel, Pelle & Co. durch ... aber längst nicht alle Modelle. Da toben Glaubenskämpfe.. ich sag's Euch... Aber zum Thema: Ich greife den Gedanken von Christian auf, dass Luna mit den Oso Flacos durchaus berglauftaugliches Material im Portfolio hat. Tatsächlich liegen zufällig auch ein Paar von den Dingern in meiner Sandalensammlung. Na ja, eigentlich fristen sie dort seit Jahren schon ein Schattendasein, weil sie mir nach den ersten Tests fürs Traillaufen (rennen) eigentlich etwas zu schwer vorkamen. Prinzipiell sind Flacos quasi Bergschuhe in Cabrio-Ausführung. Eine normale Vibram-Sohle (also bewährte Qualität, die man nicht extra erwähnen muss) mit Bandsystem, wie gemacht für's Hiken in Mittelgebirgen und den Bergen. Das musste ich gleich mal ausprobieren!

Also das Sommerwetter ausgenutzt und ab in den Odenwald. Super Trails gibts dort. Laufeindruck: Och ja... schau mal an... kraaas.. gar nicht mal soo übel... man spürt trotz der dicken Sohle noch den Untergrund. Grippig. Aber im Fußgefühl total anders als eine Shamma Mountain Goat Sandale oder die im Anwendungsprofil vergleichbare Bedrock Cairns Pro, die ich gern auf meinen Rucksacktouren im Allgäu einsetze. Ich kann's noch nicht genau festmachen. Bis dahin bleiben aber die Shamma Mountain Goats meine Favoriten beim Berglauf! Ich teste mal weiter. Auch bei Nässe und im technisch schwierigeren Gelände - da wo's drauf ankommt. Jedenfalls gefallen sie mir neuerdings aber wieder ganz gut, die OsoFlacos und ich werde sie wohl mal wieder öfter unter die Füße schnallen. Sorry, Lunas. Hatte Euch fast schon vergessen. Das ändert sich jetzt. Fazit: Wer strapazierfähige Begleiter für (sportive) Touren sucht, sollte mal über OsoFlacos nachdenken.

Oso Flaco im Trailtest

 

+++ 18. Juli 2020 +++

Okay, zurück vom 3. langen Lauf mit dem UltrAspire Speedgoat 3.0 Waistpack. und ich muss sagen ....Es beginnt mir zu gefallen! Skepsis ist zwar mein zweiter Vorname aber ich nehme jetzt tatsächlich etwas von meinen ursprünglichen Bedenken zurück, was insbesondere den Halt betrifft. Das Teil sitzt perfekt auf der Hüfte und wenn man einigermaßen richtig läuft und beim Laufen nicht hüpft wie ein Känguru, dann spürt man den Gurt selbst mit zwei vollen Flaschen fast gar nicht! Im Gegenteil. Das Waistpack sitzt ganz hervorragend, man muss relativ wenig und selten nachjustieren und die Masse ist so schön verteilt, dass das übliche Schunkeln von Wassergurten eigentlich gar nicht so richtig vorkommt. Die Flaschen sind in ihrer Form herausragend designt. Sie sind eben nicht rund und passen sich in der konkaven Form sehr gut an, liegen damit auch sehr gut am Rücken an. Sie nehmen dadurch halt ne Menge Platz weg und deshalb auch die etwas zu kleine Abmessung des mittleren hinteren Kompartments für Ausrüstungsgegenstände die nicht Wasserflaschen sind. Die Flaschen geben keinen Geschmack ans Wasser ab, das damit auch noch nach Stunden neutral schmeckt. Nix ist grausliger als der Geschmack von warmer Plastikplörre... kennen wir ja. Ergo: das Material der Flaschen ist topp. Einwandfrei.

UltrAspire Speedgoat 3.0 Waistpack

 

+++ 22. Juni 2020 +++

"Welches Fußbett macht bei den Shamma Sandalen am meisten Sinn?" wurde ich heute gefragt. "Kommt darauf an" war meine Antwort. Ich versuche mal eine erste schnelle Einschätzung aus meiner Sicht. Josh Stiles, der Boss von Shamma Sandals, lobt die Eigenschaften von Leder. Sind dem Vernehmen nach sein bevorzugtes Material - das aber im trockenen kalifonischen Klima in der Nähe von San Francisco. Josh gibt aber ehrlicherweise auch den Rat, dass das Lederfußbett bei Nässe rutschig wird. Nässe entweder durch äußere Einflüsse, also Wasser von außen durch Regen, schlammige Trails, nasse Wiesen vom Tau am Morgen etc. oder durch eigenproduzierte Nässe, vulgo "Schweißfüße", also ein angeborenes Übermaß an Schweißdrüsen unter den Füßen. Keine Sache für die man sich schämen muss. Das ist individuell so. Egal woher die Feuchtigkeit auch kommen mag - sie macht das Leder rutschig.

Bei schönem Wetter verwende ich gerne Leder (obwohl ich zu 99% vegan lebe...), weil es ein schönes Material ist, das sich dem Fuß wunderbar anpasst und für ein gutes Fußklima sorgt (ich esse es ja auch nicht). Ansonsten - in unseren Breiten also in gut 90% aller Fälle - im Herbst, Winter, Regen, Schlamm (jaaaa...) verwende ich die robusteren Ultra Grip Modelle mit der wetterfesten Sohle. Mit den UltraGrips laufe ich auch Marathons und sogar noch etwas mehr (aber das ist eine andere Geschichte) -- null Problemo. Da reibt und drückt nichts - jedenfalls nicht bei mir, der ich nicht zu selbstnässenden Füßen neige. Nässe, egal ob von außen oder innen induziert, ist nämlich immer ein Risiko für Blasenbildung bei längeren Strecken. Tipp: Fußcreme, Vaseline, Hirschtalg ... aber nicht bei Leder!

 

+++ 15. Mai 2020 +++

Bin im Vorbereitungsrennfieber! Nach der langen Liste der gecancelten Events ist endlich wieder eine "Challenge" in Sicht, die Corona-sicher ist. Kommenden Freitag gehts loohoos. Und endlich lockt wieder ein langer Kanten, der RennstHike 170 km Ultra von Blankenstein/Saale nach Gumpelstadt (bei Eisenach). Besonderheit "in times of corona":
1.) Selbstversorgerlauf,
2.) "INDI"-Veranstaltung,
.. also freie Wahl des Starttages zwischen Mai und Ende Oktober. Jeder rennt für sich allein, max. kleine Gruppen mit Abstand zulässig. Möglich wird das, weil es am Rennsteig ein fest installiertes Netz von Registrierungspunkten gibt, wo man nur seinen Chip dranhalten muss, piep... und schon kann keiner schummeln. Diesmal haste als INDI-Alleinrenner nicht nur die Strecke sondern auch die Logistik allein zu managen. Also nicht nur dumpf wie sonst immer von freundlichen Leuten an Versorgungspunkten rundum glücklich füttern lassen ... neee.. dieses Jahr organisiert man Anreise zum Startort, Übernachtung etc selber und auch Futter und Wasser schleppste kompletti mit, inklu Wasser. Was spätestens ab der Hälfte der Strecke zunehmend schwierig wird, wenn die Infrastruktur schließt und die Nacht hereinbricht. Oben auf dem Kammweg ist kaum Wasser zu finden. Quellen etc. muss sich jeder selber ausbaldowern. Ich werd anschließend aber meinen Erfahrungsbericht samt Daten zur freien Verfügung stellen. Ausrüstungsmäßig wird somit für 5+x Kilo der Wanderrucksack hervorgeholt anstatt der lightweight Running-Weste. Geht klar zu Lasten der Pace, aber bei solchen Distanzen hab ich ohnehin andere Ziele. Hoffe, dass ich nonstop mit ein paar Logistikpausen und einem kalkulierten 90 Min "Powernap" in ca. 30 Stunden längs komme. Versuche eine 9:30 Min/km "Netto"-Pace zzgl. Stops. Reicht.

Zusätzliche Challenge: alles in Rennsandalen! Also getreu meinem "nom de guerre" auf Instagram: "Plantarpurist". Am Material knobele ich noch. Berichte nach.
Anlage: Bild, Startnummer... no way back...

RennstHIKE Starternummer

 

+++ 16. April 2020 +++

Ruhetag!

Die lockenden Sirenenklänge der Rennsandalen geflissentlich überhört ("los, raff Dich auf, nur ne halbe Stunde, Bewegung ist gut im Alter, sei nicht faul, laufen macht glücklich..."). Zufrieden lächelnd den Nachmittag auf dem Balkon verbracht, die wohlige Wärme der aufgeheizten Fliesen genossen, mit reichlich Lesestoff, Hörbüchern und Podcasts für die Ohren versorgt. Irgendwoher dröhnt ein Rasenmäher, aber das stört meine entspannte Gelassenheit heute nicht - wer's braucht... Ich zelebriere heute trotz oder wegen der Weltlage mein Carpe Diem. Entspannte Gelassenheit (G.Scobel) entwickeln. Zwischendurch Teatime, etwas Achtsamkeitsübungen, Atemübungen und Meditation - alles ohne Druck, einfach nur Sein. Neulich gelesen: Ein Tag zuviel Training ist schädlicher als ein Tag nix tun. Also gut. Nachher noch etwas Stabiübungen, dosierte Mobility incl. Abendyoga ... und den Spülberg vom Tage abbauen...

Aber grundsätzlich: Nett so ein Regenerationstag, aber auf Dauer nichts für mich. Körper und Geist wollen bewegt werden.


Pausensandale

 

+++ 14. März 2020 +++

Eine neue Laufweste. Wozu eigentlich? Und wie kam ich eigentlich auf die Momentum Vest von UltrAspire? Allein das ist schon eine ausführlichere Erklärung wert, aber die hebe ich mir auf für das nächste Mal. Jetzt erstmal ein paar frische Eindrücke zum neuen Accessoire:


UltrAspire Momentum Laufweste
... passt! Gestern neugierig ausgepackt und selbstverständlich gleich probiert. Das ist ja immer das Allerschönste an neuem Sportschickschnack. So wie Weihnachten: Die Wangen glühen, der Puls steigt, ach sooo sieht das Teil aus, is ja spannend... Was lässt sich jetzt schon sagen - vorbehaltlich weiterer Materialtests mit voller Beladung ... und natürlich aus meiner persönlichen Perspektive? (PS: Disclaimer. Ich kriege dafür nix von niemandem, bin unabhängig und zahle meinen Krempel selber. )

Pluspunkte:

+ sitzt sehr gut,

+ schlaues Schnürsystem mit Haken und Gummibändern, variabel einstellbar und nachjustierbar. Ersatz im Sinne R3-Regel (repair, reuse, recycle) ist schnell möglich, sollte mal ein Teil verschleißen: Gummizug gegen was anderes tauschen, fertig. Kein Plastik, kein Clipverschluss. Passt.

+ zwei große Taschen vorn - wahrscheinlich für Mini- u/o Softflaschen konzipiert passt alternativ das Smartphone (mit wasserdichter/stoßfester Hülle, da noch etwas Geld und/oder EC-Karten o.ä. untergebracht) passgenau und prima rein. Sitzt sicher.

+ Federleicht: knapp über 200 g Leergewicht.

+ auf kleines Packmaß komprimierbar, da flexibel ohne feste Stabilisierungshilfen + Atmungsaktiv, schmal geschnittene Mesh-Struktur macht nicht den Rücken komplett zu -> Staufeuchtigkeit wird vermieden

+ zwei Minitaschen vorn und etwas größere seitlich sollten Platz für genug Futter bieten, um 2 - 3 Stunden auf dem Trail zu überleben.

+ große Taschen hinten für Wasserflaschen - notfalls weitere sperrige Sachen (komprimierbare Jacke müsste passen) + jede Menge Schlaufen zum Anbringen von ... ja von was eigentlich ...? Bin gespannt.

Unentschieden, optimierbar: 

~ Farben: schwarz oder lila. Na ja ...

~ hinteres RV-Fach ist nicht riesig. Aber meine Patagonia Houdini Air passt rein, unverzichtbares Accessoire, Life Saver auf allen Trails. Das Minivolumen hat aber auch Vorteile: Man beschränkt sich automatisch aufs Wesentliche. Erkenntnis aus vielen Trailrennen mit Rucksack: Man kriegt jeden Rucksack mühelos voll, je größer, umso größer ist auch die Gefahr, dass man, nur so für alle Fälle doch noch ... könnte ja sein dass... aargh, weniger ist mehr!

~ Vielleicht wäre eine Anleitung auf der Hersteller- oder Store-Seite nicht schlecht: Howto für Schnürung und Packmöglichkeiten. Es gibt ein Video, das ist ja schon mal gut, aber recht kurz und schnell geschnitten. Vielleicht kriege ich sowas ja auch mal hin. Schau mer mal...

Zwischenfazit:
Empfehlenswert, weitere Tests zur Bestätigung folgen. Wird meine Laufweste für die täglichen Laufeinheiten. Zum Einsatz für kürzere Rennen (HM, Marathons...) ebenfalls eine Option, kommt aber auf die Strecke an.

UltrAspire Momentum Laufweste

 

 

Älterer Artikel