Barfußtraining für Ultraläufer | Gastartikel von Markus Mingo

Als Ultraläufer mag man mir diesen Satz zu Beginn eines Artikels nicht abnehmen, aber ich bin kein Freund der Extreme. Mein Standpunkt ist: Alles was man übertreibt, führt auf Dauer zu physischen oder psychischen Überlastungen und ist schlichtweg ungesund. Aber ich bin ein großer Freund von Abwechslung, neuen Reizen und natürlichen Trainingsmethoden.


© Marco Felgenhauer

Wie "extrem" ist Barfuß eigentlich?

"Unsere Füße sind ein technisches Meisterwerk" (Leonardo DaVinici). Warum maßen wir uns an, diesem Meisterwerk nicht zu vertrauen und durch unzählige Stütz- und Dämpfungsfunktionen ihrer Freiheit zu berauben? Weil wir es nicht anders gelernt haben! Muskeln und Sehnen sind bei den meisten Menschen verkürzt, verweichlicht und den Laufbelastungen ohne festes Schuhwerk nicht mehr gewachsen.

Somit ist „extrem“ immer relativ und individuell sehr verschieden. Zehn Kilometer locker durch den Wald traben können für einen übergewichtigen Raucher das extremste Sportereignis seit den Wandertagen im Schullandheim sein. Für einen Ultraläufer ist es die lockere Einheit zum Durchbluten vor dem Frühstück.

Die Vielfalt erfreut

In der Weltspitze gibt es wohl keinen Ultraläufer, der in Sandalen, Barfußschuhen oder Socken seine Wettkämpfe absolviert – und das hat mit Sicherheit seine Gründe – trotzdem sind diese alternativen „Laufschuhe“ eine gelungene Bereicherung für das Training. In den Hochphasen der Saison laufe ich zwischen 100 und 150 Kilometer pro Woche, die ich in Barfußschuhen wohl nicht verletzungsfrei überstehen würde. Trotzdem absolviere ich etwa 10 % meiner Läufe in alternativem Schuhwerk, meist in Luna Sandalen, oder Skinners Socken. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Sechs Gute Gründe für Ultraläufer auch mal barfuß zu trainieren

1.    Abwechslung macht Spaß

Es gibt nichts Schlimmeres als jeden Tag die gleiche Strecke im gleichen Tempo und den gleichen Schuhen zu laufen. Schon kleine Änderungen, wie z. B. die Hausrunde in Sandalen zu laufen setzen neue Reize und schützen vor Monotonie. Habt ihr schon mal den Morgentau an den Zehen gespürt, wenn ihr die Waldrunde in LUNAs gelaufen seid?

2.    Abwechslung schützt vor einseitiger Belastung

Jeder Experte rät bei entsprechender Anzahl Kilometer pro Woche öfter mal das Schuhwerk zu wechseln, um vor einseitiger Belastung zu schützen. Welchen Effekt muss dann erst der Wechsel von gut gedämpften, gestützten, mit 10mm Sprengung ausgestatteten Laufschuhen in Barfußschuhe haben?

3.    Technisches Gelände in minimalistischen Schuhen schult die Trittsicherheit

Man kann mit einem gut gedämpften und geschützten Schuh so manchen Downhill hinunterbügeln. Richtig schwieriges Gelände erfordert jedoch Trittsicherheit und Gefühl für den Untergrund. Genau dieses Laufverhalten wird mit Hilfe minimalistischer Schuhe geschult. Man muss sehr aufmerksam darauf achten wo man hintritt, weil es sonst auch mal schmerzhaft werden kann.

4.    Laufen in Socken kräftigt die Fußmuskulatur

Skinners trage ich im Training sehr gerne bei kurzen Trainingseinheiten auf der Bahn, im Rasen oder auf Sand. Gerade bei kurzen Bahnintervallen oder Lauf-ABC Übungen achte ich in ungedämpften Schuhen ohne Sprengung noch besser auf meinen Laufstil und trainiere nebenbei noch Haltung und Fußmuskulatur. Effektiver geht es nicht!

5.    Mehr Bewegungsfreiheit sorgt für bessere Durchblutung und bessere Regeneration

Beim Training mit Sandalen oder Socken geht es nicht um Geschwindigkeit, Wettkampf oder Leistung, sondern meist um bewusste Regeneration. Hier tut es meinen Füßen einfach ungeheuer gut, wenn ich beim Laufen mal die Zehen anziehen kann und die gestressten Füße raus aus dem Korsett „Wettkampfschuh“ kommen.

6.    Mehr Trainingsvarianten

Ich trainiere sehr gerne variantenreich und gerade die Skinners bieten mir durch ihr kompaktes Packmass (zusammengerollt passen sie in jede Hosen- oder Trikottasche) vielfältige Möglichkeiten. So nehme ich sie z. B. auf eine Fahrradtour (Klickpedale) mit und kann in die Runde ein paar Bergsprints einbauen. Auch ein Lauf ins Fitnessstudio (mit „normalen“ Laufschuhen) ist möglich ohne am Ende in Straßenschuhen oder nur mit Socken bekleidet trainieren zu müssen.

 

Gastautor Markus Mingo

© Marco Felgenhauer
© Marco Felgenhauer

Als Deutscher Meister im Ultratrail und Sieger des Transalpine Run 2018 ist Markus Spezialist für die wirklich langen Strecken. Der sympathische Bad Kötztinger lebt und trainiert mit seiner Familie im Bayerischen Wald.

Markus Mingo im Internet: Instagram, Facebook und auf xc-run.de.

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